Wie überall in Deutschland hat auch das 20.000 Seelen Städtchen Quickborn, nördlich von Hamburg gelegen, Probleme der finanziellen Art. Die Wirtschaftskrise schlägt, - genau wie in vielen anderen Regionen Deutschlands - auch in der Heimatstadt des Blödelbarden Mike Krüger voll auf die kommunalen Finanzen durch und lässt die längst verplanten Gewerbesteuereinnahmen dramatisch einbrechen. 1,8 Millionen Euro fehlen jährlich im Stadtsäckel, und die Höhe der Verschuldung wird bis 2012 vorraussichtlich auf über 40 Millionen Euro anwachsen.

Was tun? In Quickborn kam man auf eine eigentlich ganz einfache Idee: Die Stadt lieh sich das fehlende Geld einfach bei seinen Bürgern. Ganz unbürokratisch wurden DIN-A4-Zettel an die Bürger verteilt, auf denen sie ihre Namen, Adressen, Bankverbindungen und einen Darlehens-Betrag in Höhe von mindestens € 5000,00 eintragen konnten.

Die Bürger Quickborns fanden großen Gefallen an dieser kommunalen Anleihe. Innerhalb von nur zweieinhalb Tagen tätigten die Bürger Quickborns und Umgebung Einzahlungen auf das städtische Girokonto in Höhe von erstaunlichen 4 Millionen Euro. Die Stadt versprach im Gegenzug eine Rückzahlung des Betrages nach einem Jahr, - zuzüglich drei Prozent Zinsen. Die Stadt lieh sich also das für die Stadtentwicklung fehlende Geld bei ihren eigenen Bürgern und nicht bei Geschäftsbanken.

Es hätten übrigens noch viel mehr als die eingegangenen vier Millionen Euro sein können: Quickborns Kämmerin Wölfel bekam sogar die Zusage eines Anlegers in Höhe von einer Million Euro, doch musste sie ablehnen, weil das den zulässigen Kreditrahmen Quickborns gesprengt hätte. Bürgermeister Thomas Köppl spricht von einer Win-Win-Sitution: Die Stadt zahlt weniger für aufgenommene Kredite, und die Bürger erhalten mehr Zinsen als bei den Geschäftsbanken.

Doch sei an dieser Stelle eine Frage erlaubt: Wer ist die Stadt Quickborn? Quickborn besteht aus seinen Bürgern! Die Bürger sind die Stadt, und diese Bürger haben sich ihr eigenes Geld selbst geliehen. Würden alle, - wie Mike Krüger, nach Hamburg ziehen, gäbe es kein Quickborn mehr!

An dieser Stelle ahnen Sie sicher schon, was in Quickborn passiert ist! Natürlich lassen sich unsere Kreditinstitute und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFIN) solche Spielchen nicht gefallen! BaFin und Banken waren sauer, - stinksauer! Wo gibt es denn so etwas? Bürger fangen an, sich selbst Geld zu leihen. Da wird natürlich sofort ein Riegel vorgeschoben! Bürger haben zu bürgen! Wie können sich diese Bürgen erdreisten, keine Kredite mehr bei Geschäftsbanken aufzunehmen, sondern einfach Geld an sich selbst zu verleihen. Die Bürgen haben nun einmal die verdammte Bürgenpflicht ihr Geld zu den Banken zu bringen, um es sich von diesen wieder teuer zu leihen und später mit hohen Zinslasten zurückzuzahlen. Frechheit! Gallische Dörfer werden in diesem unserem Staat nicht geduldet. Punkt. Aus.  

Und so bekam der Oberbürgermeister dann auch prompt einen Brief von der BaFin mit dem Inhalt, dass Kommunen in Deutschland das Tätigen von Finanzgeschäften nicht erlaubt sei und vor diesem Hintergrund, das Geschäftsmodell unverzüglich einzustellen sei. Der Kommune ist es nicht erlaubt, weitere Gelder auf dieser Basis anzunehmen. Überhaupt ist ein solches Gebaren keiner Kommune in Deutschland erlaubt.
Rieche ich gerade den beißenden Geruch von Panik? Ich meine hier nicht die Panik, die Bürger bei einem Bank-Run haben, sondern genau umgekehrt: Eine Panik bei den Banken, dass keiner mehr zu ihnen kommt. Ein Anti-Bank-Run sozusagen! Verwaiste Bankschalter in Deutschland. Ein völlig neues Bild. Mir öffnet sich gerade ein neuer Horizont, ein völlig neuer Blickwinkel!

Mir persönlich stellen sich jetzt zwei Fragen. Die erste ist, ob die BaFin überhaupt das Recht hat, Bürgern zu verbieten, sich selbst Geld zu leihen. Ist die Gewaltenteilung zwischenzeitlich in Deutschland aufgehoben worden, ohne dass ich davon erfahren habe? Gab es nicht früher den staatsrechtlichen Begriff der Judikative?

Die zweite Frage ist, ob meine Familie und ich demnächst auch einen Brief von Herrn Sanio bekommen, denn das Quickborner Modell wird innerhalb unserer recht großen Sippschaft schon seit vielen Jahren praktiziert. Wer bei uns Geld braucht, leiht sich (so viel wie geht) einfach zu unschlagbar günstigen Konditionen bei seinen Angehörigen. Sollte sich ein Rechtsanwalt im Kreis der Leser befinden, bitte ich um Beistand, falls meine Familie wegen Verstoßes gegen das Bankgesetz in (Sippen-)haft genommen wird.

Liebe Quickborner!

Lasst Euch nicht die Butter vom Brot nehmen! Seid kreativ. Wie wäre es zum Beispiel, wenn Ihr eine neue DIN A4 große, schön gestaltete Eintrittskarte für Euer Schwimmbad druckt, die man im Rathaus für € 5000,00 erwerben kann. Jeder der innerhalb eines Jahres diese Eintrittskarte nicht verwendet, bekommt sein Geld zurück, - samt einer Prämie in Höhe von € 150,- (3%) für´s nicht ins Wasser ... (Sie wissen schon, was ich meine.  ;-) )

Andererseits gibt es noch viele andere Möglichkeiten, kreativ zu sein. Was ist Geld  anderes, als eine Vereinbarung zwischen Menschen etwas als Tauschmittel zu verwenden und gegenseitig zu akzeptieren. Geld ist eine Illusion, - und seine Knappheit erst Recht. Wenn man möchte, kann man sich sein eigenes Geld erschaffen, worauf ich in meinen nächsten Artikeln in der Reihe „Alternativen zum FIAT-Money-System“ eingehen werde. Schon der alte Goethe sagte: „Es fehlt an Geld? Nun gut, so schafft es denn!“


Links zum Aufstand von Quickborn:

ZDF-Sendung WISO vom 5.10.2009 ab Min. 40:10
http://wiso.zdf.de/ZDFde/inhalt/25/0,1872,1001625,00.html?dr=1

DER SPIEGEL:
Quickborner leihen ihrem Bürgermeister Millionen
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,651432,00.html

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